Mit KI schreiben, ohne dass es danach klingt

Wie du mit KI schreiben kannst und trotzdem du selbst bleibst

mit KI schreiben, Frau schreibt am Laptop einen Text mithilfe von KI

KI ist ein wunderbares Tool, um sehr viel Zeit zu sparen. Auch ich schreibe schon seit Jahren mit KI meine Texte, schon länger, als es ChatGPT überhaupt gab. Doch die Gefahr ist bei allem, was uns die KI ausspuckt, alles so zu übernehmen, wie es ist, und dabei die eigene Stimme zu verlieren.

Seitdem ich Verlegerin bin und meine Happy Me Zeitschrift auf den Markt bringe, langweilt es mich gerade sehr, dass fast jeder Text gleich klingt, von Grammatik und Rechtschreibung mal abgesehen. Wir wollen doch nicht in einem Sumpf untergehen, der uns alle als Einheitsbrei verschlingt. Mittlerweile erkenne ich einen KI-Text auf 10 Meter Entfernung, und das gefällt mir gar nicht.

Wo sind denn die kreativen Köpfe, die uns inspirieren und uns Themen nahebringen, die sonst keiner gut erklären kann? Wo ist der Witz? Wo ist der Zynismus? Wo sind die eigenen Töne?

Natürlich kann man auch umgangssprachlich schreiben, jedoch nicht in jedem Absatz, finde ich. Keiner schreibt in Zwei-Wort-Sätzen untereinander im Gedichtstil, oder? Grammatikalisch ist ein Satz, der mit „Und“ oder „Sondern“ beginnt und kein Prädikat (Verb) besitzt, nicht korrekt.

Auch Bindestriche anstelle von Kommas verschönern das Textbild nicht.

Ich möchte mit diesem Text niemanden auf den Schlips treten. Ich möchte dich dazu animieren, wieder mehr du selbst zu sein, auch in deinen Texten, und zwar mit KI. Genau darum geht es in diesem Artikel: wie du mit KI schreiben kannst, ohne dass man es hört. 

Woran du einen KI-Text erkennst

Typische KI-Texte erkennst du an ein paar wiederkehrenden Mustern: Zwei-Wort-Sätze im Gedichtstil, Sätze, die mit „Und“ oder „Sondern“ beginnen, Gedankenstriche statt Kommas und Konstruktionen wie „nicht weil X, sondern weil Y“. Diese Muster tauchen vor allem dann auf, wenn man mit KI schreiben lässt, ohne den Text danach noch einmal in die eigene Stimme zu übersetzen. Gerade Letzteres klingt auf den ersten Blick klug, ist aber meistens nur eine Formel, die die KI immer wieder verwendet, egal um welches Thema es geht. Zum Beispiel: „nicht weil du zu wenig kannst, sondern weil du zu lange zu viel getragen hast“. Wenn du noch tiefer einsteigen willst: Auch http://swissglobal.ch“>swissglobal.ch hat zehn typische KI-Schreibmuster zusammengestellt, die sich mit meinen Beobachtungen ziemlich decken.

Warum das ein Problem ist

Wenn zehn verschiedene Menschen zehn verschiedene Themen behandeln und am Ende trotzdem alle gleich klingen, geht genau das verloren, worauf es eigentlich ankommt: die eigene Stimme. Die kreativen Köpfe, die uns mit ihrem eigenen Witz, ihrem eigenen Zynismus oder ihrer eigenen Art zu erklären inspirieren, verschwinden hinter einer Sprache, die niemandem mehr gehört.

Wie du deine eigene Stimme behältst

Nutze KI als Werkzeug, nicht als Autorin. Sie darf dir helfen, eine Idee zu strukturieren, einen ersten Entwurf zu liefern oder Grammatikfehler zu finden. Was am Ende steht, sollte trotzdem klingen wie du. Sprich oder schreibe deine wichtigsten Sätze zuerst selbst, in deinen eigenen Worten, auch wenn sie noch unfertig sind. Gerade die Sätze, die dir am meisten bedeuten, verlieren durch eine glatte KI-Version oft genau das, was sie eigentlich besonders gemacht hat. Lies deinen Text laut vor, bevor du ihn abschickst. Wenn du selbst nie so sprechen würdest, klingt er auch für andere nicht nach dir. Streiche Gedankenstriche, Zwei-Wort-Sätze und „nicht weil X, sondern Y“-Konstruktionen konsequent raus, wenn du sie findest. Das sind die drei Stellen, an denen KI-Texte sich am schnellsten verraten.

Statt das, schreibe lieber das

Ein paar gefundene Beispiele, damit du siehst, was genau ich meine.


Statt: „Und genau hier beginnt für mich echte Achtsamkeit.“ Schreibe lieber: „Hier beginnt für mich echte Achtsamkeit.“ Das „Und“ davor macht den Satz nicht bedeutungsvoller, es nimmt ihm nur die Grammatik.


Statt: „Das bedeutet nicht, dass du weniger organisiert bist.“ Schreibe lieber: „Du bist trotzdem organisiert, auch wenn dein System anders aussieht als bei anderen.“ Die Verneinung zuerst zwingt die Leserin, sich erst falsch vorzustellen, was gemeint ist, um es dann wieder zu korrigieren. Sag direkt, was stimmt.


Statt: „Nicht weil ich stark bin, sondern weil ich gelernt habe, um Hilfe zu bitten.“ Schreibe lieber: „Ich bin nicht besonders stark, und trotzdem habe ich gelernt, um Hilfe zu bitten.“ Auch hier: erst die Tatsache, dann die Erklärung, ohne Formel.


Statt: „Es ist die Jahreszeit der Ruhe – von Rückzug und Neubeginn.“ Schreibe lieber: „Es ist die Jahreszeit der Ruhe, von Rückzug und Neubeginn.“ Ein Komma reicht. Der Gedankenstrich bringt hier keine zusätzliche Information, nur einen künstlichen Bruch.


Statt: „Erlaube dir, langsamer zu werden. Ruhe. Stille. Pause.“ Schreibe lieber: „Du darfst langsamer werden, Ruhe brauchen oder einfach mal eine Pause machen, ohne dich dafür zu rechtfertigen.“ „Erlaube dir“ ist eine typische Coaching-Floskel, und die Aufzählung als Einzelwörter untereinander klingt nach niemandem, der wirklich so redet.


Statt: „Es geht nicht darum, jeden Tag perfekt zu planen oder jede Pause zu optimieren.“ Schreibe lieber: „Ein durchgeplanter Tag macht dich nicht automatisch produktiver. Er macht dich aber auch nicht faul.“ Zwei klare, eigenständige Sätze statt einer verschachtelten Verneinung.


Statt: „… und wie kraftvoll es sein kann, wieder allein spazieren zu gehen.“ Schreibe lieber: „… und wie gut es sich anfühlt, wieder allein spazieren zu gehen, ohne auf die Uhr zu schauen.“ „Kraftvoll“ und „wertvoll“ sind Wörter, die fast überall passen und deshalb nichts mehr aussagen. Beschreib stattdessen, wie es sich konkret anfühlt.

Für alle, die für die Happy Me oder gern Artikel schreiben

Wenn du einen Artikel für Happy Me einreichst und dabei mit KI schreiben möchtest, freue ich mich über jede Unterstützung durch KI bei der Recherche oder der ersten Struktur. Am Ende möchte ich aber deine Geschichte lesen, in deinen Worten, mit deinem Humor und deinen Ecken und Kanten. Genau das macht Happy Me aus.

Wenn du also das nächste Mal einen Text schreibst, auch wenn es nur eine Caption unter deinem Instagram-Post ist, lies ihn dir trotzdem noch einmal durch und schau, ob du es so sagen würdest. Eine kurze Änderung kostet auch nicht viel Zeit, macht aber genau den Unterschied, ob man dich hört oder jemand x-Beliebigen.


Also viel Spaß beim Schreiben, und es tut mir leid, wenn dich die KI-Floskeln jetzt genauso anspringen wie mich (Augenzwinkern).


Eine kurze Übersicht der wichtigsten Punkte findest du auch noch einmal in der [LINK: Autorinnen-Seite oder Checkliste].

Was denkst Du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

No Comments Yet.